Foto: Andrea Planer (4.v.li.) mit den Vertretern der diversen Organisationen Foto: Eberharter
Gemeinsam sind wir stark
Ein Kind mit besonderen Bedürfnissen zu haben, stellt für Eltern und Geschwister eine besondere Herausforderung dar. Eine lebenslange Betreuung ist nahezu vorausprogrammiert und in vielen Fällen ist man auf Förderungen angewiesen. Das EKIZ Untere Schranne und Andrea Planer, eine betroffene Mutter aus Walchsee haben diesbezüglich zum Informationsabend eingeladen und das Interesse daran war äußerst groß.
In den beiden Bezirken Kufstein und Kitzbühel leben rund 1.800 Menschen mit besonderen Bedürfnissen, sie stellen im Jahr 2.300 Anträge und es werden 3.200 Leistungen vergeben. Das Land Tirol stellt dafür 32 Mio. Euro zur Verfügung, wovon drei Mio Euro als Kostenbeiträge wieder rückerstattet werden. Christoph Kühlechner BH Kufstein und Manuel Lahntaler, BH Kitzbühel erklärten den Anwesenden, wie sie, nach dem Tiroler Teilhabegesetz, mit den Anträgen vorgehen. „Gewissen Leistungen schließen andere Leistungen aus. Man kann nicht alles in Anspruch nehmen“, führte Lahntaler aus. Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer beträgt drei Monate, weil oftmals der Amtsarzt oder Sozialarbeiter mit einbezogen werden müssen.
Vereine und Organisationen stellten sich vor
Hannes Lichter hat den Zivilinvalidenverband und seine Angebote vorgestellt. In erster Linie geht es bei diesem Verein um berufliche Beratung und um Rechtsberatung. Judit Raffelsberger präsentierte die Angebote der Frühförderung und der Freizeitassistenz. „Wir wollen die Kinder so stärken, dass sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben können und die Familien, dass sie diesen Weg gehen“, sagte Raffelsberger. Allerdings arbeitet dieser Zweig der Lebenshilfe nur dann mit Klienten, wenn eine Diagnose vorliegt und im frühen Kindesalter wollen die Eltern oftmals noch nicht wahrhaben, dass ihr Kind unter einer bestimmten Beeinträchtigung leidet.
Susi Schöllenberger von „Schritt für Schritt“ machte den Anwesenden richtiggehend Lust auf die Therapiemöglichkeiten in ihrem Verein. Aus einem Elternverein heraus ist der Verein gewachsen und mittlerweile gibt es acht Mitarbeiter, die sich in therapeutischer und pädagogischer Hinsicht dafür einsetzen, dass die Kinder ihren Tag selbständiger bewältigen können. Die Kinder kommen dort nicht stundenweise zur Therapie sondern verbringen einen ganzen Nachmittag in der Betreuungseinrichtung. „Spaß und Freude stehen dabei im Mittelpunkt, denn unsere Kinder müssen lebenslang in Therapie gehen.“
Förderpass öffnet nicht nur WC Türen
Planer ermutigte die Betroffenen, den Behindertenpass beim Sozialministeriumsservice anzufordern, weil sich damit etliche Möglichkeiten für die Eltern auftun – etwa die Berechtigung auf den EuroKey, einen speziellen Schlüssel, der sämtliche Behinderten-WC’s öffnet. „Man sollte den Behindertenpass eigentlich Förderpass nennen“, meinte Planer. Ein großes Thema nahm auch die Unterstützung der pflegenden Angehörigen ein. Dabei wurde „Arche Herzensbrücken“ vorgestellt, ein Hotel in Seefeld, wo Familien mit schwerkranken Kindern urlauben können. Die NR Carmen Schimanek war mit „Kinder der Sonne“ vertreten, einem Sozialprojekt das Familien und pflegende Angehörige entlasten sollte.
Nach der eigentlichen Präsentation waren die Initiatoren der Vereine und Behörden in der Volksschule Walchsee noch mit Ständen vertreten, wo sich die Betroffenen, die aus ganz Tirol gekommen waren, weiter informieren konnten. „Gemeinsam sind wir stark“ ist der Leitspruch von Andrea Planer und Kathrin Widmoser vom EKIZ. Unter diesem Motto wollen sie sich weiter dafür einsetzen, dass den Familien mit behinderten Kindern der direkte Weg zu den Förderstellen bekannt gemacht wird. (be)